Die gebürtige Düsseldorferin, deren erster Fern-seh-beitrag sich mit einem kleinen Wildschwein aus der Eifel beschäftigte, ist inzwischen zur Grande Dame des WDR avanciert und vor allem mit ihrer Talkshow „Kölner Treff“ auf den bun-des-deutschen Bildschirmen präsent. Ihre großen Sympathiewerte erzielt sie nicht zuletzt durch ihr unaufdringliches, aber gezieltes Vermögen, von Menschen aufrichtige Antworten einzufordern. Bei unseren 13 Fragen war sie ganz bei sich.
1. Wie kamen Sie zum Journalismus und haben Sie Ihre Entscheidung je bereut?
Während des Studiums musste ich alle möglichen Jobs annehmen, unter anderem habe ich in der Bonner Jazz-Galerie gekellnert. Dann fing ich an, für die Tageszeitung Bonner Rundschau zu schreiben. Nach dem Studium kam ich zum WDR-Radio, und zwar zum Regionalbüro Bonn, kurze Zeit später zum Fernsehen. Bis heute halte ich diesen Beruf für einen Glücksfall, weil ich damit unendlich viele Möglichkeiten habe.
2. Vom Schreiben zum Radio, vom Radio zum Fernsehen: Heute arbeiten Sie vor wie auch hinter der Kamera – was macht am meisten Spaß und warum?
Es mag seltsam klingen, aber alles ist spannend.
3. Mit der WDR-Talkshow „Kölner Treff“ moderieren Sie eine Sendung, die neben prominenten Gästen auch solche mit eindrucksvollen Lebensgeschichten gerne willkommen heißt – was war für Sie der emotionalste Moment Ihrer Sendung?
Als Anja Wille, deren Sohn Felix 2005 ermordet wurde, erzählte, wie sehr sie sich auf das Wiedersehen mit ihm freut, war ich sehr, sehr berührt. Auch nach vielen Jahren bin ich immer noch neugierig und auch dünnhäutig, was Lebensgeschichten angeht.
4. Stellen Sie sich vor, sie dürften sich zwei Personen aussuchen, die Sie durch ein Gespräch leiten – unabhängig ob fiktive, noch lebende oder bereits verstorbene Persönlichkeiten, welche würden das sein? Goethe und Christiane Vulpius.
5. Wann haben Sie begonnen, sich im großen Stil sozial zu engagieren, und nach welchen Kriterien haben Sie sich für entsprechende Organisationen entschieden?
Nach Gründung meiner Produktionsfirma habe ich beschlossen, regelmäßig und zuverlässig etwas zu spenden. Mir ist zum einen wichtig, Organisationen der Region zu unterstützen, in der ich lebe. Das ist beispielsweise das Kölner Mädchenhaus, das heute „Lobby für Mädchen e. V.“ heißt. Dann unterstütze ich auch Organisationen, die international arbeiten – etwa „medica mondiale“, einen Verein, der sich für kriegstraumatisierte Frauen und deren Kinder einsetzt – für Menschen also, die auch keine Lobby haben.
6. Mit der Kriegsfotografin Ursula Meissner sind Sie durch Bosnien und Afghanistan gereist – was war das Prägendste, das Sie von diesen Reisen im Gedächtnis behalten haben?
Das Erstaunen darüber, wie schnell sich in Afghanistan Menschen in Freiheit bewegten, wie Projekte entstanden, wie Bildungshunger um sich griff. Und die Sorge, dass der Terror alles wieder zerstört.
7. Wie sah Ihre erste Wohnung aus?
Das war eine klassische Studenten-WG der frühen 80er Jahre: Es herrschte völliges Chaos, die Zimmer hatten keine Schlüssel, es war immer was los.
8. Frei von allen Konventionen und der Realität: Wie würden Sie am liebsten leben und wohnen? Oder haben Sie sich mit Ihrem Haus in der Eifel alle Wohnträume bereits erfüllt?
Das Haus ist so entworfen, dass es meinen Bedürfnissen entspricht. Heute würde ich es aber noch reduzierter einrichten, volle Räume machen mich unruhig.
9. Was ist für Sie der wichtigste Raum Ihres Hauses?
Der alte Schweinestall. Er ist heute unten Ess- und Kochbereich, oben Wohnzimmer. Dort Gäste zu empfangen und zu bewirten, ist das Schönste.
10. Wie wichtig ist Ihnen nachhaltiges Bauen?
Als ich das alte Bauernhaus 1996 gekauft habe, war mir wichtig, dass die alte Grundstruktur erhalten bleibt und dass das Haus weiterhin zum Dorfbild passt. Ein Anliegen war mir auch die Kombination aus alter Substanz mit neuen Bau- und Stilelementen, mit Stahl und Glas.
11. Was war das interessanteste Betonobjekt, das Sie je gesehen haben?
Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf in der Eifel, konzipiert vom Schweizer Architekten Peter Zumthor. Und die Langen Foundation (bei Neuss, Anm. d. Red.), gebaut von Tadao Ando. Ein Meisterwerk, von außen strahlt es Leichtigkeit und Grazie aus, von innen ist es ein perfekter Raum für Kunst und Leben.

Bruder-Klaus-Kapelle von Peter Zumthor. Foto: Kateer, Wikipedia
12. Wie würden Sie als Moderatorin in eine Diskussion über Beton einsteigen und welche Personen könnten spannende Gäste zu diesem Thema sein?
Ich würde zwei Fotos nebeneinanderstellen: Auf dem einen wäre die fiese Betonaußenwand einer Groß-Garage zu sehen, auf dem anderen die Bruder-Klaus-Kapelle von Peter Zumthor – der zu der Diskussion unbedingt eingeladen werden müsste!
13. Die Beatles-/Rolling-Stones-Frage zum Abschluss: Gustav Mahler oder Aretha Franklin?
Gustav Mahler.
Foto: WDR/Fürst-Fastré






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