MAGAZIN / 13 FRAGEN

13 Fragen an Corinna Weidner und Max Hiller - Interview

Erst kürzlich haben die Wasserexperten und -liebhaber Corinna Weidner und Max Hiller ihr Buch "Berlin Wasserwelten" herausgebracht. Wir haben die beiden im Historischen Hafen in Berlin besucht, mit Ihnen über Ihre Publikation, Schiffe, Wasser, Beton und vieles mehr geplaudert.

1. Mit „Berlin Wasserwelten“ ist eine umfangreiche Publikation zum Alltag auf den Flüssen und Seen der Hauptstadtregion entstanden. Wann kam bei Euch die Seen-Sucht auf?

Corinna: Max ist schuld (lacht)! Der Lebenspartner als Schicksal, quasi mitgegangen, mitgefangen.

Max: Schiffe sind für mich ein Lebensthema seit ich denken kann. Ich komme ursprünglich aus dem Schwarzwald, aber meine Tante hatte ein kleines Grundstück am Bodensee. In den Ferien war ich immer dort und habe auf einer kleinen Jolle segeln gelernt. Danach habe ich fünf Jahre in Sydney gelebt - der Wasserstadt par excellence! Da war ich bei den 'Sea Scouts', den Pfadfindern auf dem Wasser. Zurück in Deutschland habe ich mich mit 16 schon bei der Marine beworben und später in den Semesterferien auf Hochseefischkuttern gearbeitet. Als ich dann Anfang der 90er Jahre nach Berlin kam, war es also nahe liegend, dass ich mich mit der Schifffahrt in und um Berlin beschäftigt habe!

2. Basiert alles im Buch ausschließlich auf euren eigenen Erfahrungen oder habt Ihr euch dabei mit anderen „Wasserexperten“ ausgetauscht?

Corinna: Im Buch ist alles aus erster Hand, Experten sind ja immer auch Liebhaber, die zu 100% hinter einem Thema stehen. Aber ohne arrogant klingen zu wollen: ich denke, in dieser Breitgefächertheit sind für wir in Berlin schon recht außergewöhnlich. Einerseits kennen wir uns mit der Historie am Wasser aus, mit der Bedeutung der Wasserwege für die Entwicklung Berlins - das ist hier im Historischen Hafen und auf unserem Finow-Maßkahn sehr lebendig. Andererseits sind wir mit unserer kleinen Klassiker-Yacht „Barbara II“ schon so lange in Berlin und Brandenburg unterwegs sind, dass wir auch die Entwicklung der letzten Jahre und die neue, moderne Szene am Wasser kennen. Es mag wertkonservativ klingen, aber wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und somit die Zukunft nicht sinnvoll gestalten. Unsere Hoffnung ist, dass Berlin als Stadt am Wasser wieder besser verstanden und vor allem intelligenter weiter entwickelt wird als bisher.

3. Der Titel verweist schon darauf, dass Wasser eine andere Welt ist.

Corinna: Ja, das kann man genau so sagen. Wasser und Leben am Wasser ist eine eigene Welt. Die Menschen, die unsere Leidenschaft teilen, ticken einfach auch ein bisschen anderes. Und Wasser verbindet, überall auf der Welt, also auch hier in Berlin. Man kommt schnell ins Gespräch und ist per se erstmal hilfsbereit.

4. Was bedeutet Wasser für euch persönlich?

Max: Ich bin auch im Winter oft im Historischen Hafen, selbst bei Minusgraden. Im Sommer jeden Tag. Ich komme gerne hier her, schaue aufs Wasser und komme runter. Mich fasziniert die komplett ebene Fläche und der Horizont, den man immer vor Augen hat – das beruhigt und ich kann mit meinen Gedanken vom Alltag wegkommen. Das hat nichts mit Sehnsucht zu tun, ich bin einfach durch und durch ein Schiffsfreak (lacht). Ich interessiere mich für unterschiedliche Schiffstypen und Formen und das Wasser ist nun mal das Gefäß, wo man all das betreiben kann.

5. Corinna, du hast auch einen eigenen Blog zu diesem Thema.

Corinna: So kann ich alle Themen des Buchs auf dem aktuellen Stand halten: Neue Strandbars, neue Wasserleichen, aktuelle Wasserstände und alles, was mir so über die Füße fährt. Es passiert ja auch kurioses und absurdes auf dem Wasser!

6.  Erzähl uns von Kuriositäten.

Corinna: Jüngst auf dem Jungfernsee in Potsdam erlebt: Zwei Paddler kommen und legen sich ein paar Meter vors Ufer. Ich dachte, die wollen - so wie wir auch – in aller Stille den Sonnenuntergang genießen. Nach ein paar Minuten wird irgendwas vom Ufer rüber gerufen, woraufhin der eine Paddler eine Trompete raus holt, die andere eine Harmonika und dann spielen sie den Leuten am Ufer ein Ständchen. Und zwar richtig gut. Das war ein verabredetes Privatkonzert vom Paddelboot aus – ziemlich klasse! 

7. Was erlebt man noch so im Schiffs- und Wasseralltag bzw. im Vereinsleben?


Max: Eine skurrile Geschichte: wir hatten im Verein über mehrere Jahre eine Auseinandersetzung mit Betreibern eines Lastkahns, der 40 Meter lang und 200 Tonnen schwer ist. Über mehrere Instanzen wurde entschieden, dass er den Hafen verlassen muss. Schließlich kam der Gerichtsvollzieher früh um 8 in den Hafen - mit einem Trailer für Sportboote - und meinte, er solle hier ein Schiff pfänden! Wir haben uns totgelacht!

8. Könnt Ihr euch vorstellen auf einem Hausboot zu leben?

Corinna: Nein, wir teilen die Romantik des Hausbootes nicht. Ich mache gerne auch mal die Wohnungstür zu und die Welt da draußen ist verschwunden. Man darf nicht vergessen, dass Hausboote oft an sehr unattraktiven Stellen im öffentlichen Raum liegen. Und meistens sind es kleine Kolonien, das hat dann fast schon Reihenhaus-Charakter. Auf dem Hausboot wohnen war ja mal antibürgerlich. Heute geht der Trend hin zum Hausboot als Zweitwohnung oder mit Vorgarten am Ufer, der mit Buchsbäumchen bepflanzt ist…

9. Unser Traum vom Hausboot ist somit 'entromantisiert' - Wie wohnt ihr?

Corinna: Klischee-mäßig: In einer Altbauwohnung in Kreuzberg.

10. Wie wird man eigentlich Besitzer eines Schiffes im Historischen Hafen von Berlin?

Max: Als ich nach Berlin kam, habe ich mich natürlich direkt umgeschaut, wie das mit den Schiffen und der Schifffahrt in der Hauptstadt so ist. So kam ich in den Historischen Hafen, der damals noch nicht an der Fischerinsel, sondern im Humboldt-Hafen war. Ich habe da ziemlich schnell einen Nebenjob angenommen - Boote anstreichen und schauen, dass nachts nicht auf den Booten randaliert wird. Dafür wurde mir angeboten, in die Kajüte des Schleppkahns zu ziehen. Als die Chance bestand, den Kahn zu kaufen, habe ich ohne Zögern ja gesagt.

11. Was fällt euch zu Beton ein?

Corinna: Im Schiffsgarten habe ich nur alte Betonblumenkästen aus den 60er Jahren. Die Sukkulenten gedeihen prächtig. Neu gibt’s die Dinger sogar bei Manufactum, na wenn das nicht Zeitlosigkeit bedeutet… Die Betonästhetik passt in jedem Fall zu diesem rauen Stahlkahn!

12. Und was ist mit Beton-Bauten?

Corinna: Der ganz große Betonlook vom Wasser aus ist eindeutig das Kanzleramt. Das Portal zur Straße hin sieht eher komisch aus, aber wasserseitig laufen diese riesigen, durchbrochenen Betonwände wie eine Skulptur aus, das ist schon ein Wurf.

13. Die Rock'n'Roll Abschlussfrage: Rolling Stones oder Beatles:

Max: Beatles! Die Stones haben schon in den 60ern Altherren-Musik gemacht.

 

Weitere Ansichten und Details aus dem Leben und Wirken von Max Hiller und Corinna Weidner finden Sie auf deren Blog Berliner Wasserwelten.

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