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13 Fragen an Kai Petermann - Interview

Kai Petermann betreibt mit Stilsucht eines der erfolgreicheren deutschen Blogs rund um das Thema Designobjekte. Er arbeitete lange Zeit als Grafikdesigner und Art Director, betätigt sich seit kurzem aber vor allem im Bereich Social Media. Zu den Themen Design, Wohnen und Heimat beantwortete er uns 13 Fragen.


1.Herr Petermann, seit wann interessiert Sie das Thema Design und was hat Sie überzeugt, dem auch beruflich nachzugehen?
Ich habe Mitte der 90er Jahre meine Leidenschaft für gutes Design entdeckt. Mein Vater ist Restaurator und ich bin mit unzähligen alten Möbeln aufgewachsen. Das war für mich äußerst reizlos und ich hatte die Hoffnung, dass da noch irgendwas anderes zwischen den Antiquitäten aus meinem Elternhaus und den Wohnwänden in den Nachbarhäusern existiert.
Beruflich habe ich derzeit eigentlich gar nicht so viel mit Design zu tun. Ich habe 12 Jahre als Art Director in verschiedenen Werbeagenturen gearbeitet, mittlerweile betreue ich aber Social Media Projekte für verschiedene Kunden. Stilsucht ist also fast so etwas wie ein kleiner Ausgleich.

2. Heute fahren Sie für Ihren Blog auf Conventions und Ausstellungen, um Neuigkeiten zu finden und darüber zu berichten. Einen solchen Aufwand betreibt man nicht von heute auf morgen. Wie hat sich all das bei Ihnen entwickelt?
Ganz ehrlich, das kam tatsächlich von allein. Eines Tages trudelten die ersten Pressemitteilungen ein und kleinere Labels eröffneten mir die Möglichkeit zur Kooperation. Heute bekomme ich entsprechende Einladungen zu Events und Messen zugeschickt und auch Presseakkreditierungen sind überhaupt kein Problem. Mit meiner kleinen Seite treffe ich scheinbar einen Nerv. Dazu kommt, dass immer mehr Firmen und Veranstalter erkennen, welche Kommunikationsmöglichkeiten durch Blogger und ihre Netzwerke entstehen. Stilsucht ist ein Herzblut-Projekt und ich freue mich, wenn es entsprechende Anerkennung bekommt.

3. Sie haben als Art Direktor in unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet. Suchen Sie gezielt nach neuen, beruflichen Herausforderungen und einer sich ständig ändernden Arbeitsumgebung oder entwickelt sich so etwas in dieser Branche mehr oder weniger von ganz alleine?
Ich bin in den letzten Jahren vom Grafikdesign zur Social Media Kommunikation gewechselt. Dieser Weg ist selbst gewählt und basiert auf meinem gewachsenen Interesse an dieser Art der Kommunikation, mit allen Möglichkeiten, die sich da aufzeigen. Da ich Spaß an meiner Arbeit haben möchte, versuche ich mich in die entsprechenden Richtungen zu bewegen, die mich interessieren.
Generell gibt es in der Werbung allerdings eine sehr hohe Fluktuation. Kunden wechseln die Agenturen, neue kreative Felder wollen erobert werden und manchmal hängen ja ganz einfach nur private Veränderungen dran.

4. Als Blogger ist man in der Regel täglich im Internet aktiv, kommuniziert mit Gleichgesinnten, benutzt und verknüpft Social Media Plattformen. Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke in Bezug auf Ihr Blog?
Ich nutze hauptsächlich Facebook und Twitter als Social Media Kanäle. Dort streue ich auch zusätzliche Themen und Links, zu denen ich keinen eigenen Artikel schreiben würde. Beide Kanäle sind ein hervorragender Multiplikator. Es bedarf nur eines Klicks, um die eigenen Freunde und Follower mit diesen Informationen zu versorgen. Für mich, als Quelle eventuell interessanter Informationen, ist das ein perfektes Werkzeug.

5. Mit der Zeit interessiert man sich ganz automatisch auch für entsprechende Technikprodukte, die man in solchen Plattformen interaktiv einbinden kann. Wenn die neuesten Gadgets auf den Markt kommen, können Sie sich dann zusammenreißen oder MUSS es das neue iPhone, der größte Flatscreen und die aktuellste Kamera sein?
In diesem Punkt bin ich wirklich ein Spielkind und bekomme sofort glänzende Augen. Tatsächlich habe ich aber „nur“ ein iPhone 3G und ein 13“ MacBook Pro. Dazu kommt eine digitale Spiegelreflex Kamera von Canon. Ich würde mich aber nie als Fotografen bezeichnen – das können eine Menge Leute deutlich besser. Die Disziplin gewinnt also und ich kann gut damit leben.

6. Seit wann wohnen Sie in Berlin und wie wichtig ist es für Sie in der hottesten Weltmetropole der Welt (!) zu leben?
Ich bin seit Ende Mai wieder zurück in Berlin und es fühlt sich wirklich verdammt gut an. Ich mag es, viele Orte von damals wieder zu entdecken und natürlich haben sich in den 14 Jahren Abwesenheit auch viele Dinge extrem verändert. Berlin ist für mich in erster Linie ein Stück Heimat denn Weltmetropole, in der ich unbedingt sein muss. Den großen Hotspots gehe ich übrigens gern aus dem Weg und schaue lieber, was links und recht daneben passiert.

7. Als Hauptstädtler sind Sie bestimmt auch mit dem medienpräsenten Problem der Gentrifikation in Berührung gekommen. Hat sich das Gesicht Berlins, mit seinen unzähligen Clubs, Künstlern und Szenezentren der Welt in den letzten Jahren für Sie positiv oder negativ verändert?
Der soziale Wandel hat die Stadt definitiv verändert. Allerdings kann man das nicht auf positiv oder negativ reduzieren. Wenn das Tacheles (mal wieder) geschlossen werden soll, ist das mit Sicherheit nicht wünschenswert. Solche Orte sind gut und wichtig für eine Stadt wie Berlin, denn die alternative Szene gehört ganz klar zum Gesamtbild.
Auf der anderen Seite kommen junge Designer und Künstler in die Stadt und erobern Gebiete wie Neukölln oder Wedding. Nicht mit der Maßgabe das eingesessene Bild komplett umzukrempeln, sondern um zusätzliche Facetten einzubringen.
Ich mag keinen Stillstand und natürlich kann Veränderung auch bedeuten, dass Dinge sich in eine andere Richtung bewegen, als ich es mir selbst wünsche. Die Dynamik einer Stadt ist aber nicht von Einzelpersonen abhängig. Es gibt also große Gruppen, deren soziale Bewegung für die entsprechenden Änderungen sorgt und somit deren Wünsche und Bedürfnisse widerspiegelt.
Die Heerscharen rheinländischer Ökomuttis und schwäbischer Schüttelfrisur-Träger sind allerdings manchmal etwas befremdlich und man muss kurz gucken, ob der Fernsehturm noch steht.

8. Ist es eine Option für Sie, irgendwann einmal wieder zurück nach Darmstadt, Ihrem alten Heimatort, oder sogar aufs Land und in die Provinz zu ziehen?
Darmstadt war, wie so viele andere Orte auch, nur eine Zwischenstation. Nach Berlin zurückzukehren war eine der besten Entscheidungen in den letzten Jahren. Grundsätzlich hätte ich aber kein Problem damit, etwas mehr Abstand zur großen Stadt zu gewinnen. Zur Zeit müsste sich das auch mit dem Job vereinbaren lassen. Aber wer weiß, was sich in der Zukunft ergibt.

9. Ab wann kann man Design als Kunst bezeichnen oder schließt der Begriff Design Kunst kategorisch aus?
Dazu könnte man vermutlich stundenlang referieren. Kunst hat immer den Beigeschmack, nur als schmückendes Element zu funktionieren und ich persönlich mag es, wenn Dinge auch eine Funktion haben. Auf der anderen Seite kann ein Eames Stuhl im richtigen Umfeld auch immer perfekt inszeniert wirken. Ich denke nicht, dass die Begriffe einander ausschließen. Am Ende liegt das wohl wieder im Auge des Betrachters. Ich würde einen Designklassiker jedenfalls immer vorziehen.

10. Auf Stilsucht findet man den ein oder anderen Artikel über Objekte von Künstlern, die mit dem Baustoff Beton arbeiten. Kann man hier vielleicht schon von einem gewissen Trend sprechen?
Zu einem Trend würde ich es vielleicht nicht erheben. Aber Beton ist ein Werkstoff, der flexibel einsetzbar ist. So lassen sich viele Ideen umsetzen, die mit natürlichen Materialien komplizierter oder eventuell gar nicht durchführbar wären. Offensichtlich macht es immer mehr Designern Spaß, mit Beton zu experimentieren und die Ergebnisse sind doch immer wieder erstaunlich. Der alte Beton-Claim „Es kommt drauf an, was man draus macht“ passt noch immer sehr gut.

11. Wie würden Sie Beton in einem Designobjekt verarbeiten, hätten Sie einen entsprechenden Auftrag, ohne dass Ihnen finanzielle und gestalterische Grenzen gesetzt wären?
Das ist aber wirklich eine komplizierte Frage. Ich mag es, wenn die Kühle des Betons durch andere Materialien wieder aufgefangen wird. Holz, Leder oder andere natürliche Werkstoffe sind in Kombination mit der rauen, grauen Oberfläche immer eine gute Ausgangsbasis. Am Ende würde ich doch aber lieber darauf hoffen, dass da ein echter Designer kommt und die Aufgabe der Gestaltung übernimmt.

12. Was ist das next big thing of the Internet?
Das darf ich noch nicht verraten.
Nein, im Ernst. Derzeit konzentriert sich alles immer mehr in Richtung Cloudcomputing und vermutlich wird es auch noch eine Weile dauern, bis das von der breiten Masse angenommen wird und es somit Salonfähigkeit erreicht.

13. Und jetzt noch die Rock and Roll Frage des Tages. Motörhead oder U2?
Das bedarf keiner Überlegung, Motörhead.

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