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13 Fragen an Nilz Bokelberg - Interview

Der im Jahre 1976 in Bonn geborene Nils Bokelberg, der sich mit dem ausgefallenen Künstlernamen Nilz Bokelberg schmückt, ist einer der Pioniere des deutschen Musikfernsehens, als das deutsche Musikfernsehen nicht nur überhaupt Musik spielte, sondern auch noch Spaß gemacht hat.

Es wird Zeit, dass der, in unseren Augen, größte Entertainer der Welt nach Peter Frankenfeld, endlich die große Samstagabendshow bekommt. Bis dahin darf man sich auf Twitter oder in seinem Blog und natürlich auch in echt üner seine Machenschaften informieren.

Wir haben demTausendsassa 13 Fragen gestellt. Er hat sie anstandslos beantwortet:

 

1. Was bringt eigentlich das Internet?
Lustigerweise eine Frage die ich mir in letzter Zeit auch immer öfter stelle, aber eigentlich nur aus dem Grund, dass ich ein wenig müde geworden bin, den Menschen, die es nicht kennen/wissen/wahrhabenwollen zu erklären, warum das Internet so overtetopawesome ist und nun nach einer Alternativerklärung zu "Fremde! Lernen! Sich! Kennen! Kommunikation! Information! Weltweit! Und Schmuddelbilder!" suche, um mich nicht selber immer wieder mit dem selben Quark zu langweilen.

 

2. Wer ist die coolste Sau auf der Erde? (Nennung bis zu drei cooler Säue möglich)
Das muss ich nicht lange fackeln: Burt Reynolds. Für mich der letzte noch lebende Mann aus der Kategorie "Mann". Danach kommt erstmal ganz lange nichts. Gar nichts. Nicht eine Person. Sehr viel Luft. Platz. Keiner dem der Burt das Coolness-Wasser reichen könnte. Niemand in Sicht. Und dann, endlich, kommt jemand: Nämlich nochmal Burt Reynolds. An drittwer Stelle dann der Sänger von der Band Semi-Precious Weapons. Aber frag mich nicht wie der heisst. Ich glaube Justin oder so.

3. Berlin-Neukölln - Ist dieser Hype nicht total aufgesetzt und bemüht und ist Neukölln nicht in Wirklichkeit einfach Neukölln, wie es leibt und lebt?

Nun ja, teils teils. Denn wer nach Neukölln geht, will da ja erstmal hin weil es da billig ist und weil es da echt ist. Die Gefahr Spacken auf die Füße zu treten ist zwar immer noch da, aber es sind eben echte Spacken und nicht so Show-Spacken wie in P-Berg zum Beispiel. Aber, jetzt kommt ja der eigentliche Witz in puncto Sicherheitsdenken: Viele wollen noch immer nicht nach Neukölln, weil sie denken das sei nachts gefährlich, wegen irgendwelchen Asis. Nun bin ich vor einiger Zeit mal nachts durch (Berlin)Mitte gelaufen (weil ich musste) und auf dem Bürgersteig kamen mir Asis entgegen, die auf Krawall gebürstet waren. Da ich schnell ging, ist mir auch nix passiert, aber hätte ich irgendwie reagiert, hätte ich vermutlich eine rein bekommen. Der Witz ist also der: Die Leute, die glauben das Neukölln zu gefährlich sei, gehen nach Mitte, wo sie auf die Fresse bekommen von Neuköllnern, die ja nicht so doof sind sich vor ihrer eigenen Haustür zu prügeln. Aber ganz davon abgesehen: I heart Neukölln, wir werden es aber in schätzungsweise 5-10 Jahren nicht mehr wiedererkennen. Jetzt sind schon die ganzen Künstler da und die Preise steigen ganz langsam. Ich werd aber meinen Enkeln dann sagen können: "Und damals, da hab ich sogar eine Gentrifizierung miterlebt!"

 

4. Womit würdest am liebsten Dein Geld verdienen?
Puh. Mit schreiben auf jeden Fall. Wobei ich da so schrecklich undiszipliniert bin, wenn ich keinen Abgabetermin oder so was habe. Und mit Regie führen. Und mit einer eigenen Late-Night-Show. Und mit noch irgendwas (das ich mir hier als Joker mal blanko halte).

 

5. Wie kamst Du zu Twitter und was hat es bisher gebracht?
(Freundin, Freunde, Jobs, Bekanntheit, Geld)
Ach: Das war neu und alle sind hin und ich dann auch. Schnell angemeldet, weil es der neue Shizznet zu sein versprach. War dann aber eher so semi-spannend. Deswegen hab ich es dann auch erstmal ein Jahr oder so ruhen lassen. Und plötzlich hats mich gepackt und ich habs kapiert und es hat Spass gemacht und ich war drin. Weiss auch nicht woher das auf einmal kam. Ich erinnere mich noch, wie Johnny (Häusler) damals auf Spreeblick mal diese "Color Wars" erklärt hatte, die mal kurz auf Twitter waren und da habe ich wirklich überhaupt nichts kapiert und war eher so NOCH uninteressierter. Da sieht man mal wie komisch Twitter auf normale Menschen wirken muss, wenn ICH schon irritiert war. Was es gebracht hat? Noch mehr Kommunikation, fantastische Freunde, grossartige Freude.

 

6. Warum gibt es STOKE (Magazin bei sport1 (ehemals DSF) mit “Sportarten” wie Skateboardfahren, aus dem Flugzeug springen, Monstertruck fahren (oder bilde ich mir das ein), Kalifornien, Surfen, etc.) nicht mehr. War die Zielgruppe uninteressant oder hat der Sender es nicht verstanden, dass so etwas cooler ist, als Sport-Quizshows im Call-In-Format?
Ich weiss gar nicht, ob man sowas erzählen sollte, aber, meh, ist ja alles anders mittlerweile, also: Damals kam zum DSF ein neuer Programmdirektor. Der wollte mal das ganze Programm aufräumen. Der war vorher bei einer Talk-Show oder so, also berufliche Nähe zum Thema Sport konnte man ihm nicht nachsagen. Der hat dann überall radikal gekürzt, was ihm nicht gefallen hat. Bei Stoke war ihm zu wenig Action! Das Gelaber zwischen den Beiträgen (Wir nannten es damals "Moderationen") wollte der nicht mehr haben. Hat ihn genervt. Mehr Action, Action, Actiooooooon! Es lief darauf hinaus das wir alle gehen durften (wohlgemerkt im ersten Jahr, in dem das Format überhaupt schwarze Zahlen geschrieben hatte), sich das DSF einen Redakteur ins Haus gesetzt hat und der hatte dann nix anderes mehr zu tun als EPKs von irgendwelchen RedBullEvents aneinanderzuschneiden. Leider hatte das DSF die Rechte an dem Namen "Stoke" und so wurde dann eben kaputt gesendet, was wir zuvor aufgebaut hatten. So gehts halt im Fernsehen immer wieder. Ist ja auch nicht so wild. Der Typ ist schon lange nicht mehr da, deswegen habe ich ja dann vor ein paar Jahren auch noch dieses Quiz-Format mit Boris Becker gemacht (und weil ichs cool fand, mit Boris Becker zu moderieren, der einer der korrektesten Kollegen ist, die mir je untergekommen sind - das nur nebenbei...ich hatte übrigens mit Kollegen eigentlich immer Glück).

7. Als große Fans der Sendung “Das perfekte Promi-Dinner” haben wir natürlich auch den Beitrag mit Dir und dem großen Thomas Fuchsberger gesehen. Ist das alles so wie man das im Fernsehen sieht? Darf man das verraten? Macht das Spaß oder ist weil, ich war jung und brauchte das Geld?
Ja, zumindest bei uns war das alles so. Wir waren ja auch eine sehr harmonische Truppe. Ich glaube fast das die Redakteure manchmal ein bisschen verzweifelt waren, weil wir uns alle so sehr mochten und immer alles so toll fanden, was der jeweils andere gemacht hat. Darunter hat übrigens die Punktzahl von Tommy Fuchsberger leider ein bisschen gelitten. Ich wette: Hätten wir uns alle schon vorher kennengelernt, Tommy hätte auch mehr Punkte bekommen und wir wären am Ende alle Erste gewesen. Ich mochte die Sendung schon immer und wollte da auch immer mal mitmachen. Als ich mich dann noch mit dem Producer getroffen habe und er mir sagte, in welcher Konstellation ich sein würde, da war alles klar: Kein anstrengendes Jung-Sternchen dabei? Count me in. Und, das noch nebenbei: Gut gezahlt haben sie auch. Ist ja sowieso bekloppt, das man dafür bezahlt wird drei Tage lang jeden Abend essen zu gehen und einen Tag selber zu kochen. War echt eine super Erfahrung und ich bin auf unsere Episode, so aus Weltfrieden-Sicht, nachwievor ein kleines bisschen stolz..:)

8. Wo liegt die Zukunft des Fernsehens und wärst Du gerne ein Teil dieser Zukunft?
Lustig sind immer die "Fernsehen ist tot!"-Brüller, die brüllen nämlich einen ziemlichen Quatsch. Fernsehen wird es noch locker die nächsten 50-100 Jahre geben, in seiner jetzigen Form. Das liegt daran, das der ganze interaktivitätsklimbim totaler Humbug und absolut unzwingend ist. Man will eben nichts tun und erst recht nichts tun müssen, wenn man auf dem Sofa liegt. Man möchte das Programm ein Stück weit diktiert bekommen. Ich will mir nicht immer alles raussuchen müssen. Das Internet kann mich nicht berieseln, das fordert immer meine Aktivität. Beim TV muss ich nur ein Knöpfchen drücken und schon kommt was anderes. Und wenn es mir ncht gefällt, dann drück ich das gleiche Knöpfchen nochmal und es kommt wieder was ganz anderes. Das kann das Internet nicht. Deswegen denke ich die Zukunft des Fernsehens sieht so aus wie jetzt. Gut. Vielleicht wird man bei "Herzblatt" irgendwann Mutanten daten können oder Lafer kocht demnächst Mondkalbsschnitzel. Aber die Form wird die gleiche bleiben. Mir hat Fernsehen immer Spass gemacht, zu machen, deswegen kann und werde ich mir das auch in Zukunft vorstellen, bei diesem Medium noch mitzumachen. Das hab ich ja schliesslich von der Pike auf gelernt.

9. Weltfrieden, geht das?
Ja. Wenn sich, verdammt nochmal, alle mal ein bisschen am Riemen reissen würden. Das geht übrigens hierzulande schon los. Weniger Hass, mehr Liebe. Und wieder ein kleines Stückchen näher. Ich weiss nicht ob es jemals gehen wird, aber jeder der es nicht versucht ist doch töricht!

10. Wo, also in welcher Stadt oder Region würdest Du am liebsten wohnen und bevor jetzt doch wieder Berlin kommt, dann schon jetzt die Frage: und wo noch so?
Ich hab in Deutschland mehr oder weniger schon überall gewohnt, wo ich wohnen möchte. Ich könnte höchstens noch nach Leipzig ziehen, weil ich das total grossartig finde, aber mal ehrlich: Eben. Deswegen wäre der nächste Schritt für mich das Ausland. Und da zieht es mich seit eh und je in die USA. Ich liebe das Land einfach, insbesondere Kalifornien und da insbesondere San Francisco. Auch wenn mir ein amerikanisches Mädchen beim Auflegen einmal gesagt hat, dass das die Stadt mit den höchsten Mieten in den USA wäre. Noch vor New York. Ich wüsste ja auch im Moment ehrlich gesagt gar nicht so richtig, was ich da machen sollte. Aber ich will da mal leben. I like it so much!

11. Wie sieht Dein Traumhaus aus? Würdest es gerne nach Deinen Plänen bauen lassen oder gibt es das schon. Wir wollen Details.
Ich hätt gern so ein kleines, schiefes viktorianisches Haus in San Francisco. Ich finde die super schön. Das wäre eigentlich schon mein Traumhaus. Auch wenn die nicht riesig sind, die sind schon sehr schick. So hier vielleicht: zillow.com (Wobei 4.000.000 Doller schon etwas übertrieben ist, wie ich finde. Ich nehm auch gerne eins in "Little Italy" oder so...)

12. 15 Platten, die Du auf eine einsame Bergzinne, die natürlich mit einem Plattenspieler und Verstärker ausgestattet ist, mitnehmen würdest:
- Beatles "Abbey Road
- Nirvana "Nevermind"
- I´m from Barcelona "Let me introduce my friends"
- Michael Jackson "Off the wall"
- Ashford and Simpson - Discographie bis 81
- The Carpenters "The Singles"
- Andrew Gold "Never let her slip away"
- Bernd Begemann "Jetzt bist du in Talkshows"
- Sex Pistols "Never mind the Bollocks"
- Pantera "Vulgar Display of Power"
- Helmet "In the Meantime"
- Lupe Fiasco "Food & Liquor"
- Bis "Social Dancing"
- Led Zeppelin "Houses of holy"
- AC/DC "Highway to hell"
- Beastie Boys "Check your Head"

Ich weiss, das sind 16, aber das ist mir egal. Eigentlich wären es noch mehr, aber irgendwann muss ja mal schluss sein.

13. Und nun die Beatles oder Stones-Frage: Chicago oder Supertramp?
Diese Frage ist von einer unheimlichen Superfiesheit. Chicago liegen im Einzel-Song-Rating zwar ein bisschen weiter vorn, weil sie mit "If you leave me now" die beste Ballade aller Zeiten und zum Beispiel mit "Street Player" auch einen meiner All-Time-Favourite-Disco-Songs geschrieben haben. Plus der ziemlich coolen Cover-Nummer, die sie recht straight durchgezogen haben. AAABER: Supertramp können auf Albumlänge eher überzeugen, die Werke von denen sind zwar komplexer aber eben auch in sich geschlossener. "Breakfast in America" ist zum Beispiel ein Wahnsinnsalbum, das man so durchhören kann und das ist ja schon fast Supertramps Spätwerk! Ich hoffe Peter Cetera möge mir verzeihen, aber in diesem Fall gewinnen Supertramp. Was mich nicht davon abhalten wird jedesmal fast zu weinen, wenn ich die Bläser aus "If you leave me now" höre. (Übrigens: Nur Idioten hätten in dieser Aufzählung Toto erwähnt, die ja oftmals in den selben Topf geworfen werden mit beiden oben genannten Bands, aber in Wirklichkeit nicht weiter von ihnen entfernt sein könnten als Mickie Krause von Karl-Heinz Stockhausen...)

 

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