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Die Vor- und Nachteile von: Beamen

Die faszinierndste aller Arten der Fortbewegung ist wohl das Beamen. Bisher nur aus Science-Fiction Filmen aus dem Westen der USA bekannt, gab es in den letzten Jahren wissenschaftliche Durchbrüche, die einen Schimmer von Hoffnung wecken konnten, dass das Beamen eines Tages vielleicht doch Realität werden könnte. Eine solche Technologie würde viele Vor- und Nachteile mit sich bringen. Wir wollen diese hier diskutieren.

 

Zunächst aber muss festgestellt werden, was Beamen überhaupt ist und wo die Wissenschaft heute steht. Der wissenschaftliche Ausdruck für das, was wir und der Volksmund als "Beamen" bezeichnen, heißt: Teleportation. Teleportation bezeichnet den Transport einer Person oder eines Gegenstands von einem Ot zum anderen, ohne dass er/sie den dazwischen liegenden Raum physisch tatsächlich durchquert.

Die Idee vom Beamen beschrieb das erste Mal der Brite Fred T. Jane in seiner Erzählung "To Venus in Five Seconds", in der er das rätselhafte Verschwinden eins Protagonisten per Teleportation beschreibt. Mit Sicherheit ist die Idee aber noch älter, seitdem taucht sie in der Science-Fiction-Literatur aber regelmäßig auf. Bekanntestes Beispiel dürfte die Serie "Star Trek" sein mit dem dazugehörigen Ausspruch "Beam me up, Scotty", der mittlerweile Kultstatus genießt.

Lange Zeit sah es so aus, als würde es bei der Existenz in der Literatur bleiben. In seiner Veröffentlichung "Die Physik von Star Trek" beschreibt der US-Amerikanische Astrophysiker Lawrence Krauss die Probleme, die sich bei der Umsetzung eines Teleportationsgeräts ergäben. So müsse ein Objekt auf etwa eine Milliarde Grad Celsius erhitzt werden, um es theoretisch beamen zu können. Dieser Vorgang würde das Objekt vermutlich nicht nur zerstören, es würde auch mehr Energie verschlingen, als die Menschheit im Moment in der Lage ist zu produzieren. Hinzu kämen grundsätzliche Probleme der Quantenphysik, Impuls und Ort eines Teilchens lässt sich nämlich nicht genau bestimmen (Heisenberg'sche Unschärferelation).

Trotz dieser Hürden ist es mit einem speziellen Kniff einem Team der University of Maryland gelungen ganze Atome über eine Distanz von einem Meter zu teleportieren – in der Quantenwelt eine riesige Entfernung. Der Physiker spricht von "Verschränkung" (engl. entanglement), wenn unterschiedliche Quantenobjekte - beispielsweise Elektronen, Photonen oder aber ganze Atome - nicht mehr als separate Objekte mit unterschiedlichen Zuständen … und stattdessen nur noch als ein identisches System beschrieben werden können. Es ist also weniger ein Transportieren eines Teilchen, als ein Klonen über Distanz. Im Jahr 2007 ist es Prof. Harald Weinfurter und Prof. Anton Zeilinger mit einem ähnlihen Verfahren gelungen Photonen über eine Distanz von 144 km zu beamen.

Abseits dieser wissenschaftlicher Schwierigkeiten wirft die Technologie aber auch eine Reihe von gesellschaftlichen Fragen auf. Dies Probleme werden wir im Folgenden erörtern.


PRO / Kacper Potega

Die Technologie der Teleportation wäre ein einmaliges Geschenk an die Menschheit. Die Möglichkeiten, die sich der Gesamtbevölkerung unseres Erdbals mit ihr eröffnen würden, würden viele Strukturen und Prozesse innerhalb der Gesellschaft zum Positiven hin verändern.

Zunächst würde eine Verbreitung der Technologie eine Aufhebung des bisher sehr stark an Regionen orientierten Zugehörigkeitsdenken einzelner Gesellschaftsgruppen bedeuten. Nationen, Kulturen und Weltbilder würden im Zuge einer noch stärker voranschreitenden Globalisierung miteinander verschmelzen. Und zwar viel positiver als es bisher geschieht.

Man nehme allein die ökologische Komponente. Der Transport exotischer Früchte etwa würde signifikant günstiger werden, wir bräuchten keine Flugzeuge, Züge, Kraftfahrzeuge mehr. Alles wäre nur wenige Schritte entfernt, egal wie groß die physische Entfernung ist. Äpfel ließen sich im Supermarkt quasi direkt von den Bäumen pflücken.

Das Wegfallen des sehr hohen logistischen Aufwands und der damit verbundenen Kosten würde den Aufwand der Produktion der meisten Waren spürbar verringern, sodass bei der Vorstellung die Hoffnung auf eine gerechtere Besitzverteilung entsteht. Mit der damit einhergehenden Aufhebung von Besitzes als Statussymbol würde sich die Menschheit wieder auf die Produktion von Waren konzentrieren, die uns wirklich weiterbringen oder das Leben erheitern.

Die Kummulation der Gesamtbevölkerung in lauten, stinkenden Städten würde der Vergangenheit angehören. Jeder könnte nahe der Natur leben und gleichzeitig an jedem anderen Ort sein, wann immer er will. Die Menschen wären Dauernomaden, die ständig etwas Neues kennenlernen können, die sich mit unterschiedlichen Menschen auseinandersetzen müssen und so die Vertrautheit mit dem Fremden erlernen. Das Ende der Xenophobie.

Das Ende von Raum bedeutet gleichzeitig auch das Ende der Zeit. Arbeits- und Öffnungszeiten wären ein Relikt der Vergangenheit, von deen Kinder nur noch unwillig im Geschichtsunterricht erfahren. Alleine durch diese Technologie würde sich die indivuduelle Freiheit jedes Menschen exponentiell steigern.

Die Erfindung der Teleportation würde die Gesellschaft also sowohl im ökologischen, im ökonomischen und im sozialen Sinne hin zum Positiven verändern.


KONTRA / Huck Haas

Meine "Erkenntnisse" über das Beamen basieren im weiten Teilen auf den Vorkommnissen der Serie "Star Trek", sowie aus der 1986er Version des Filmes "Die Fliege" von David Cronenberg, außerdem habe ich mal gelesen, dass irgendjemand vor kurzem Licht von einem Ort zu einem anderen gebeamt hat, was bei mir jetzt auch nicht allzu offensive aha-Erlebnisse ausgelöst hat. Meine Grundeinstellung zur Teleportation ist also eher ambivalent.

Zunächst einmal möchte ich nicht enden wie Seth Brundle aus eben diesem Film "Die Fliege", der aufgrund einer DNA-Vermischung aufwändig und wenig ansehnlich zur Fliege mutiert und schließlich einen grausigen Tod findet. Solange die Technik da nicht weiter entwickelt ist, möchte ich vor allen Dingen aus reiner Technikambivalenz nicht auf dieses Tranportmittel zurückgreifen. Andere Erfahrungsberichte über das Beamen habe ich nicht. Ich weiß nur, dass es auf dem Raumschiff Enterprise meist ganz okay zu sein scheint, wenn man schnell mal vor herannahendem Gesindel flüchten muss und gerade kein Taxi zur Verfügung steht. Hier wäre das Beamen eine Option. Das gebe ich unumwunden zu.

Meine Zweifel am Beamen nähren sich jedoch auch noch durch andere Umstände.

Zunächst mal empfinde ich das Reisen, also die Fahrt an einen Ort, auch wenn diese beschwerlich ist, durchaus als eine sinnvolle Heranführen des Körpers und des Geistes an einen Ort. Man hat Zeit anzukommen. Für jemanden, der sich noch dunkel an den Betrieb von Dampflokomotiven erinnern kann, ist dieser Umstand durchaus ein wichtiger Aspekt. So erzählte mir mal ein Freund von seiner Flugreise nach Katmandu/Nepal. Er stiegt bei hiesigem diesigem Wetter in ein Flugzeug, verbrachte dort einige Stunden und stieg in Katmandu wieder ans Licht. Er hielt sich dann dort vier Wochen auf, kam aber innerlich nie an, wie er erzählte. Kein Wunder, kann sich doch weder Geist noch Körper mit dem Umstand vertraut machen, dass zwischen Frankfurt am Main und Katmandu ca. 10.500 Straßen- oder Bahnkilometer liegen. Nun bin ich durchaus ein Freund des Fortschrittes und der Technik, glaube aber, dass nicht alles Machbare auch unbedingt die Menschheit weiterführt. Nun will auch ich nicht mit dem Eselskarren oder gar zu Fuß nach Katmandu reisen, aber ich finde die Reise in einem Zug durchaus angemessen, wenn ich auch weiß, dass es gegen Ende der Reise beschwerlich und anstrengend wird. Aber so hat man Zeit, die durch die Reise entstehenden Veränderungen der Natur und der Kulturen zu verstehen, und wenn man schließlich am Katmanduer Hauptbahnhof mit steifen Gliedern (...) aussteigt, weiß man ungefähr wo man sich befindet und warum. Was da erst das Beamen mit dem Mensch anrichtet?

Dass die Möglichkeiten der Teleportation ein einmaliges Geschenk sein wird, ist allenfalls eine Hoffnung des Befürwortes und noch nicht mal eine Theorie. Alleine die Energieaufkommen, die für ein reibungsloses Beamen nötig wären, sind bei heutigem Stand der Erkenntnis sogar höher, als die des Flugbetriebs zu entsprechenden Zielen. Der Einsatz von derlei Maschinen bspw. an Streuobstwiesen ist wohl kaum als ökologischer oder ökonomischer zu bezeichnen, auch wenn man über die Art und Weise der Energiegewinnung, die für solche Prozesse den nötigen Strom liefert, kaum noch etwas weiß.
Zudem würde ein Aufhebung regionaler Zugehörigkeitsdenken zu einer weiteren Zerfaserung der Kulturen beitragen. Traditionen und regionalbezogene Kulturen hätten ausgedient. Beschwerlich oder mühsam erreichbare Ziele wären dem Massentourismus preisgegeben. Eine abermalige Beschleunigung der Gesellschaft würde möglicherweise zu einer kaum noch auszuhaltenden Unruhe führen, die dadurch vermeintlich gewonnene Zeit wäre kaum noch unterzubringen, die Menschheit zerbricht in einem Freizeitrausch. Das kann niemand wollen.

 

Foto: x-ray delta one / flickr.com

KOMMENTARE

DATUM 20.06.2010 - 14:44 Uhr

NAME Enno

Dabei wirft das Beamen noch ganz andere Probleme auf. Man stelle sich zum Beispiel vor, gestern hätten ein paar hundert Millionen Menchen versucht, sich nach Stockholm zu beamen...

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