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Serie Wohntraum: Auf dem Hausboot

 

Das sanfte Dümpeln auf einem gemächlichen Flüsschen gehört schon auch in das Wohntraum-Portfolio von Menschen mit einer guten Seele. Das behaupten wir jetzt einfach mal so. Im folgenden haben wir unseren Traum vom Leben auf einem Hausboot geschildert. Doch lesen Sie selbst:

 

 

Vom Leben im Fluss

WOHNTRAUM HAUSBOOT

Es gibt ja die verschiedensten Wohnmöglichkeiten, um auf oder am, gar im Wasser zu wohnen. Es gibt Hausboote, die stehen einfach nur so rum, können oft gar nicht fahren und sind nur wahrscheinlich nur zum Zwecke der Ersparnis auf der Welt, da Wassergrundstücke wohl weltweit unbezahlbar sind. Und sie erfüllen für meine Sicht der Dinge schlichtweg nicht den Sachtatbestand eines Hausbootes, da ja das Fahren mit dem Haus auf dem Wasser unbedingt dazugehört.
Es müsste so in etwa sein wie dies hier, das wenigstens gemächlich den Standort wechseln kann. Auch gut wäre eine Barkasse, wie man sie z.B. im Hamburger Hafen antreffen und auf ihnen eine Hafenrundfahrt bestreiten konnte. Wasserschutzbedingte Auflagen der Behörden zwangen die Betreiber von Bootsrundfahrtschiffen allerdings die alten Barkassen dem Alteisen zuzuführen und neueste ökologisch angemessenere Schiffe zum Einsatz zu bringen. Zum privaten gelegentlichen Herumgondeln taugen die alten Barkassen aber noch allemal. Mit einer Geschwindigkeit von maximal 8 Knoten, was umgerechnet etwa 15 km/h sind, kann man zur Entschleunigung des eigenen Lebens und dem der Passagiere beitragen. Ein wertvoller Dienst an der Gesellschaft, wie ich finde.
Und dann gibt es ja noch die Hausboote der Pénichette-Bauart. Solche Boote wurden von einem französischen Bootcharterunternehmen entwickelt und sind den Péniches nachempfunden. Diese Klasse kastenförmiger Kanalschiffe entstand im Zuge der 1879 vom französischen Minister für öffentliche Arbeiten Freycinet neu festgelegten Norm für die Schleusenabmessungen in den französischen Kanälen. Durch die Bauart wird die Schleusenkammer optimal ausgenutzt*.

Die meiste Zeit läge das Boot natürlich am Ufer irgendeines Flusses. Ich sehe da zum Beispiel den Treptower Kanal in Berlin, so in Höhe des Clubs der Visionäre, nur ohne Beschallung des Clubs der Visionäre. Oder am Ufer der Seine und ganz besonders dann da in Paris, so will es das Klischée. Amsterdam böte sich natürlich mit seinen Grachten auf fast geradezu pompöse Weise an. Der alte Rhein, verschiedene lauschige Plätzchen auf dem Main bei Offenbach oder Frankfurt sind ebenso Orte, die in Frage kämen. Ganz gleich - suchen Sie sich Ihren Fluss aus.
Und dann läge man da, am Wasser und trotz Trägheit der Masse und nur unwesentlichem Flussgedöns, wöge das Bötchen sacht in den nicht vorhandenen Wellen. Also jedenfalls so sanft, dass nicht der Kaffee überschwappt und die Senfsammlung aus dem Regal purzelt. Via solarer Bezellung erführe man die Vorteile von Elektrizität und natürlich böten die modernen Mögllichkeiten der Telekommunikation ausreichend Zugang zum Internet. Man wäre ja schließlich nicht zum Spaß an Bord und es wäre ja nicht zuletzt für den arbeitstechnischen Umstand von Nöten an den Vorzügen der Moderne zu partzipieren.
Ein alter Herd aus emailliertem Eisen dient der Erhitzung der Speisen und im Winter der Erwärmung der Gesamterscheinung. Nutzwasser würde aus dem Fluss gepumpt und via einer kleinen Wasseraufbereitungsanlage entkeimt und alltagstauglich gemacht. Mit Gas aus Gasflaschen kann zudem Wasser erhitzt werden, denn auch Hausbootbewohner sind dem Warmduschen durchaus positiv gegenüber eingestellt. Auch mal schnell der morgendliche Kaffee via Kännchen auf blaulodernder Gasflamme, kann so zubereitet werden ohne eine große Herdanfeuerung voranzustellen.
In dem Hausboot, von dem ich hier erzähle, gäben sich Moderne und die gute alte Zeit die Klinke in die Hand. So finde ich zum Beispiel das Anfeuern eines Ofens mit fossilen Brennstoffen durchaus einen angemessenen Arbeitsaufand, will und kann aber nicht auf einen Internetzugang verzichten. Auch Strom soll sein und gleichzeitig könnte abends und in der Nacht mit Gas- oder Öllampen ein schummeriges, aber gemütliches Licht erzeugt werden. Da ich ja im Traum ohnehin die meiste Zeit, wie auch jetzt im echten Leben, auf das Display meines tragbaren Computer starren würde, wäre eine allzu gleisende Beleuchtung ja ohnehin eher kontraproduktiv.
Das Schiff hat zwei Stockwerke. Spricht man beim Schiff von Stockwerken? Das obere Stockwerk ist ein großer Raum mit Brücke, also Steuerrad und was man zum Fahren so braucht, die Küche wäre ebenso untergebracht wie ein großer Tisch mit Sitzbank, Stühlen und zwei Sesseln. Hier spielt sich das Leben an Bord ab. Der Raum ist rundum befenstert. Die Sitzbänke, die vorher für die Passagiere an dieser Stelle montiert waren, sind entfernt worden, ein Dielenboden aus dunklen Holzplanken ist eingezogen worden. Gekocht wird an dem alten emaillierten Herd und zwei Gas-Kochfeldern. Kühlschrank, Spüle, Spülmaschine machen die Küche zu einer runden Sache. Von diesem Wohn-, Küchen- und Brückenraum geht es nach hinten auf ein Sonnendeck, während vorne neben der Brücke eine Treppe hinunter zu den unteren Kajüten führt. Unten sind Schlaf- und Gästekajüten untergebracht, sowie Toiletten, Duschen, ein Bad und der Motor, der das Schiff antreibt. Die Schlafkajüte im hinteren Teil hat nach hinten zwei große Fenster mit einer Art Balkontür. Dahinter befindet sich ein kleine Plattform, die nur unwesentlich über dem Wasser als Balkon dient. Hier kann man sein. Morgens in Ruhe Kaffee trinken, Zeitung... im eBook-Reader die neuesten Nachrichten lesen, Mails beantworten, in die Gänge kommen. Der Rückzugsort auf dem Schiff.
Desweiteren befinden sich 3 Kabinen für Gäste auf dem Schiff und ein Bad mit Dusche, sowie 2 Toiletten. Für alles ist gesorgt.

Abgesehen davon könnte man ja an einem festen Lageplatz Strom und Internet vom Festland nutzen und dann stünde einer Festbeleuchtung so gut wie nichts mehr im Wege.
Das Gefühl am Wasser zu leben, stellt sich jemand, der nicht am Wasser lebt, ja im allgemeinen hyperromantisch vor und in den Träumen spielen Wasseruntiere, Spinnen, Schlangen, Mücken, Schnaken, Bremsen, schleichende Feuchtigkeit am Morgen, Fäulnis, Schimmel und Flusspiraten nur eine unwesentliche Rolle. Doch auch daran soll gedacht sein. Spinnen scheinen unvermeidlich zu sein, doch kann man jegliches Getier mit mehr als vier Beinen mit Gazenetzen und entsprechend ähnlichen Vorkehrungen vor der Tür lassen. Auch ist der allgemeinen Verfeuchtung durch ergiebiges Lüften und Heizen in den richtigen Momenten durchaus Herr zu werden. Von Schlangen steht hier nichts in meinem Vertrag.

Doch auch im Leben eines Hausbootes kommt unweigerlich der innere und äußere 3. Januar. An diesem Tage habe ich regelmäßig das hiesige Winterwonderland satt und gehe mit Fluchtgedanken schwanger. Und aus diesem Grunde kommt nun der wesentliche Vorteil eines Hausbootes sowas von zum Tragen, dass sicher auch bei Ihnen das innere Hausbootfeuer zum Lodern kommt. Wenn nämlich die winterliche und wetterbedingte Tristesse kaum noch zum Aushalten ist, und dieser Zustand tritt, je nach Gemütszustand der Einzelperson, so zwischen dem 24. November und dem 11. Januar ein, dann lädt man eine handvoll gediegener, geselliger, dem Essen und dem Trinken zugetaner Freunde ein und tuckert mit diesem im Rahmen einer zweiwöchigen Reise gen Canal du Midi, welcher parallel zu den Pyrenäen das Mittelmeer mit Toulouse verbindet und sich unter dem Namen Canal latéral à la Garonne bis nach Bordeaux erstreckt. Dass man auf der Reise sämtliche kulinarischen Ergiebigkeiten so weit es geht in Anspruch nimmt, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen. Am oder im Canal du Midi könnte man so ca. bei Béziers vor Anker gehen und den restlichen Winter dort verbringen.
Die gleiche Reise rückwärts träte man dann so im April an, wenn es erste Verdachtsmomente auf einen vernünftigen Frühling gibt.
Wesentlich unaufwändigere Ausflüge an die Ufer der Mecklenburger Seenplatte oder in den Spreewald könnten am Wochenende auf dem Programm stehen. Oder man liegt einfach nur vor Ort und genießt den Umstand mitten in der Stadt und doch im Grünen wohnen zu können, was sonst nur Multitrilliardäre sich leisten können. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Leser (noch) keine Multitrilliardäre sind und sich mit dem Umstand einer bezahlbaren Unterkunft am Flüsschen durchaus vertraut machen können.
Der Traum vom Leben im Hausboot, das ja in den Mainstream-Vorstellungen so zwischen Sophia Loren und Huckleberry Finn angesiedelt sein dürfte, ist ja inzwischen derart verkitscht und verzuckergusst, dass man allenfalls mitleidiges Lächeln und aufmunterndes Kopfstreicheln erntet, wenn man davon erzählt, aber letztlich liegt zwischen Vision und Wirklichkeit nur die Tat und der Mut die Dinge anzugehen. Ein Leben auf dem Hausboot unterscheidet sich faktisch nicht wesentlich von dem Leben in herkömmlichen vier Wänden. Es ist vielmehr das Gefühl, das Erleben eines Lebens am Fluss. Weil die Dinge stehen und der Fluss vorrüberzieht. Auf dem Wasser sind die Bewegungen intensiver, der Boden niemals starr, die Wände auch mal klamm. Das Leben nah an der Natur, das macht es aus. Vor den Augen im besten Falle Uferbestigungen, Böschungen, der Fluss, die anliegenden Ortschaften, die durch den Fluss auch immer von einem besonderen Stil geprägt sind. Das Leben am oder im Wasser ist anders, weil es nie ganz still steht. Und weil das Hausboot ja nicht mit festem Knoten am Ufer eines reissenden Stromes befestigt ist, sind alle Bewegungen und der Fluss auch immer ruhig und beruhigend. Die Sicht von der Mitte des Flusses an Ufer ist zudem eine Perspektive, die einen Blick auf das andere, das etablierte Leben ermöglicht. Man wird sich mit sich einigen müssen, ob das außergewöhnliche Leben im Fluss oder das solide Dasein an Land das bessere ist.


 

(Foto von sean_hickin auf flickr.com)

 

 

 

 

 

KOMMENTARE

DATUM 10.06.2010 - 19:03 Uhr

NAME Subsystem

jetzt will ich ein hausboot ...
mitten in der stadt

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