Ein Leben auf zwei Achsen
Das Unstete ist es, das das Leben im Wohnmobil zu einer Option werden lässt. Es gibt ja ach so viele gute Gründe für ein Leben auf dem Lande, an einem See, in den Bergen, am Helmholtzplatz in Berlin/Prenzlauer Berg, in Katwijk/Holland, an der Ostsee, an der Mecklenburger Seenplatte, im Schatten einer alten Kiefer irgendwo im Harz… alles hat seinen Reiz für eine gewisse Zeit. Aber es ist auch sehr spannend, an all diesen Orten für jeweils ein paar Tage, höchstens Wochen, zu leben. Gut, entweder ist man im Besitz eines kleinen oder mittelgroßen Vermögens oder man ist in der fröhlichen Situation, einen Job zu haben, der so ein Leben in Bewegung zulässt. Einige Berufe können vom Laptop aus getätigt werden. Bei vielen ist so ein rastloses Dasein aber aus verschiedenen Gründen keine Option. Es bleibt ein Traum, falls es einer ist.
Die ganze Zeit, also 365/366 Tage im Jahr ,in dieser reduzierten Situation zu leben ist wahrscheinlich auch nicht das Optimale, was man aus dem Leben herausholen kann. Deshalb ist ein fester Wohnsitz wohl immer noch eine beruhigende und solide Option, aber kein Muss mehr. Wohnmobile sind heutzutage so opulent ausgestattet, dass die Bewohner eines solchen auch nicht im gefühlten Dunstkreis von Hippies, Punks und Schlendrianen gewähnt werden.
Sah es jahrelang so aus, als wäre die Inneneinrichtung von Wohnmobilen für geschmacksabtrünnige Fans von absurden Mustern und schlimmen Holzlaminaten konzipiert, so gibt es heute Fahrzeuge, die aussehen wie das schönste Designerappartment und auch so viel kosten. Das Wohnmobil in meinem Kopf bietet eine schöne Alternative.
Um überhaupt, sagen wir zu zweit, genehm wohnen zu können, braucht es ein Fahrzeug auf der Basis eines sogenannten vollintegrierten Fahrzeugs von 8,00-8,50m Länge. Die »Vollintegrierten«, auch Königsklasse genannt, werden auf Fahrgestellen ohne Fahrerhaus aufgebaut, den sogenannten Windlauffahrgestellen. Fahrerkabine und Innenraum sind sozusagen eins. Das vergrößert den gefühlten und tatsächlichen Innenraum und macht auch beim Fahren mehr Spaß, da man meistens in einem bequemen Sessel sitzt und durch die großen Panoramafenster einen guten Blick erst auf das Geschehen auf der Straße und dann auf die Landschaft hat.
Mein Fahrzeug verfügt über ein komfortables Hubbett über dem Fahrerraum, das hydraulisch abgesenkt werden kann, wenn das Fahrzeug steht. Zudem findet man im hinteren Teil des Wohnmobils ein Schlafzimmer mit einem großzügigen Doppelbett, Stauraum, Leselampen und Stromversorgung für die Laptops, sowie diverse Fenster nach draußen, was wichtig ist. Ein ausklappbarer Schreibtisch bietet die Möglichkeit des Arbeitens direkt am Bett, was für Menschen, die außerhalb des 9to5-Business ihr Geld verdienen, eine angenehme Option ist. Das hintere "Schlafzimmer" ist vom Wohnzimmer und der Kochnische durch die Nasszelle und eine Art Wandschrank abgetrennt. Im Wohnzimmer sorgt eine Sofalandschaft, die dem Raum angemessen angepasst wurde, für flötzige Wohnatmosphäre. Teppiche am Boden, Rio Palisander an den Wänden und an der Decke, ein Flachbildschirm für Kinoabende, Stereoanlage, eine Spielkonsole und für die heißen Monate eine Klimaanlage bieten den nötigen Komfort und machen das Leben im Wohnmobil nicht zu einer reinen Campingveranstaltung verkommen.
Die Sofasitzbänke sind ggfl. so umstellbar, dass man dort auch eine gute Sitzposition einnehmen kann, um am höhenverstellbaren Tisch vernünfitg arbeiten kann, denn das Wohnzimmer ist auch gleichzeitig das mobile Büro. Via Satellit, HSDPA und LTE kann das Internet genutzt werden, was ja in den meisten Berufen und Freizeitgestaltungen unabdingbar ist.
Eine kleine Küchenzeile hinter einem Rollo verborgen bietet einen Kühlschrank, Kochstelle, Spüle und Minispülmaschine für eine kleine Portion Geschirr. So ein Grundkomfort muss sein.
Ein Wohnmobil kann eine Heimat, ein Zuhause sein. In Hotelzimmern seine Zeit zu verbringen empfinde ich als unschön. Nichts ist da, wenn man es braucht, und während man im schönsten Mittagsschlaf dahinvegetiert, platzt eine Fachkraft zwecks Reinemachung hinein. Im Wohnmobil hingegen wäre das Lieblingsbettzeug, Schnuffeldecke, Lieblingstasse, Lieblingsmineralwasser, Lieblingssessel, Lieblingslampe, Lieblingsfrau/mann… alles mit dabei. Besuche bei Freunden in fernen und mittelfernen Städten, wären unproblematisch. Das Übernachten auf Luftmatratzen in Fremdküchen oder Rümpelkammern hätte ein Ende. Da das Wohnmobil über eine kleine Garage verfügt, kann man einen Motorroller oder Fahrräder oder Motorroller und Fahrräder gut mitnehmen. So wäre man auch trotz des sperrigen Motorhomes flexibel und mobil.
Das schöne am Leben im Wohnmobil, ist die ständige Abwesenheit von Regelmäßigkeit. Die Frage wird sein, ob man komplett ins Wohnmobil zieht oder noch einen festen Wohnsitz hat. Letzteres würde ich präferieren und so dann auch nicht immer und ganzjährig im mobilen Haus sein wollen, sonst wird auch das langweilig und obendrein strapaziös. Dazu ist es letztendlich auch zu klein und die Möglichkeiten der Entsorgung von Abwasser empfinde ich auf die Dauer auch nicht so ganz als alltagstauglich. Aber es muss nicht zwingend immer nur der Sommer sein, auch im Winter kann so eine Wohnsituation durchaus seinen Reiz haben. Voraussetzung sind natürlich angemessene Möglichkeiten das fahrende Häuschen zu beheizen.
Das Leben auf Reisen, in Bewegung hat seinen Reiz. Die Möglichkeiten ein Land, eine Region kennenzulernen, hat man im Fahren auf geradezu bewegende Weise. Wie die Dinge vorrüberziehen und nur Momente sind. Wie Möglichkeiten am Horizont auftauchen und oft ungenutzt im Rückspiegel wieder verschwinden. Wie das nächste Restaurant am Wegesrand sicher immer noch gut genug sein wird und wenn nicht, gibt es Pasta von Gasherd. Sich auf nichts einlassen zu müssen, um dann am schönsten Ort herauszufahren und dort dann für eine Weile zu sein. So lange, bis man alles gesehen, gefühlt, gerochen und die Geräusche ausreichend wahrgenommen hat, aber kurz genug, um der Umgebung nicht auf den Keks zu gehen. Und immer schön den Müll mitnehmen. In Norwegen gibt es das Allgemeinrecht, das vorsieht, dass jedermann für einen überschaubaren Zeitraum sein "Lager" überall aufschlagen darf, wo es die Allgemeinheit nicht stört. So kann man beispielsweise sein Mobil auch neben dem Apfelbaum auf einer Wiese abstellen und sogar Äpfel für den Eigenverbrauch pflücken, ohne dass der Norweger den Gast verjagen würde. Vorher fragen, ob das alles auch okay ist, gehört allerdings zu den erfreulichen Verhaltensmaßnahmen. In Frankreich ist es ähnlich. Man kann sein Wohnmobil für 24 Stunden am Wegesrand abstellen und hat so die Möglichkeit nach langer Fahrt, gegen Abend, ein schönes Plätzchen zu suchen um dort zu sein.
Natürlich ist die Natur hier näher, als im Haus oder in der Wohnung. Wenn es regnet, spürt man das, auch wenn man dabei nicht zwingend nass wird. Die Geräuschkulisse von Grillen, Zikaden, zwitschernden Vöglein, brunfendem Wild und zischelnden Schlangen wirkt dabei so, als läge man mittendrin, obgleich man das angesichts der Gruselhaftigkeit diverser Lebewesen zum Glück nicht tut. So richtig auf der blanken Wiese oder im flatterigen Zelt ist ja dann auch zu ferienlageresk. Die Zeit ist dann auch irgendwann mal vorbei. Schließlich möchte man ja einen gewissen Wohnkomfort mit in die Natur nehmen. Es ist eben diese Verbindung von naturnahem Wohnen und dem Gefühl sein Zuhause mit dabei zu haben. Das wirkt in der Stadt, wie auf dem Land, es ist wunderbar am Meer aufzuwachen, durch weite Wälder zu cruisen und schließlich in den Bergen einzuschlafen. Manchmal wirkt alles so einfach.
(Foto von tiegeltuf / flickr.com)






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