Das Haus aus meinem Oscar-Niemeyer-Haus-Traum gibt es ja nicht wirklich, es könnte aber irgendwo stehen, auch außerhalb meines Kopfes, denn der Traum spielt mit den typischen Oscar-Niemeyer-Elementen wie Rundungen, Beton und dieser futuremäßigen Klarheit, die gleichzeitig aber auch besonders und auffällig ist.
Es hätte auf jeden Fall etwas von diesem Haus hier. Dieses Haus baute Oscar Niemeyer für eigene Wohnzwecke im Jahre 1953. "Mein" Haus jedoch stünde irgendwo in Südfrankreich. Womöglich in der Nähe des Canyon du Verdon oder vielleicht auch nahe eines Sees in den Departments Var, Alpes-de-Haute-Provence oder Vaucluse.
Eingebettet in die Natur, visuell und klimatisch in Verbindung mit den Ausläufern eines kleinen Wäldchens, der Duft von Nadelgehölz in der Nase. Die Sonne, die die Baumwipfel in nachmittäglicher Eleganz durchdringt. Ein Mercedes Benz 300 SE Cabrio Baujahr 1966 steht vor der Tür und rundet das Bild ab.
Tritt hinein
Der Eingangsbereich ist großzügig geschnitten, es herrscht eine angenehme Kühle im Temperaturbereich, nicht jedoch in der visuellen Wahrnehmung. Der Betretende blickt geradewegs auf die gegenüberliegede Glasfront. Der Blick wird nur durch eine Wendeltreppe unterbrochen, die hinauf in den 1. Stock führt. Der Eingangsbereich geht nahtlos in Wohnzimmer und Küche über, wobei eigentlich alle drei Räume in einem Raum stattfinden. So findet man eine ausgedehnte Sofalandschaft vor der Fensterfront. Der Boden ist aus poliertem Beton, verschiedene rundgeschnittene Hochflorteppiche liegen vereinzelt und im Raume verteilt herum. Von der Sofalandschaft blickt man nach draußen und auf einen Kamin, der kugelförmig mit einer Öffnung für das Brennholz auf einer Betonsäule steht, die nach oben verlängert den Kamin ergibt. Die Kugel, also der Kamin selbst, ist ebenfalls aus Beton gefertigt, der mit einer weißen, hitzebeständigen Farbe hochglanzlackiert wurde. Bei Zeiten knistert dort ein gemütliches Feuer. Davor liegt ein Eisbärenfell, natürlich eine Imitation und kein echtes erlegtes Bärchen.
Rechts neben dem Sofa befindet sich ein offenes Räumchen mit einer Bar, davor steht ein runder Tisch, an dem man arbeiten kann, aber auch mit Freunden sitzen, um Skat zu kloppen. Auch die Bar ist von der Basis aus Beton gegossen, windet sich im Halbrund bauchig in den Raum hinein und lässt links den Eingang für den Barkeeper. In der Wand, die aus grobem flachen Naturstein gemauert wurde, sind Lücken, Nischen eingelassen, dort finden die hochprozentigen Getränke und der Wein eine Lagerstätte. Von der Bar gehen einzelne Tentakel ab, die zum Ende verbreitert eine mit Gelpads, wie man sie von Fahrradsätteln kennt, bestückte Sitzfläche bilden.
Wenn man sich im Eingagsbereich nach links wendet, findet man eine Küche. Die gesamte rundgewölbte Wand entlang führt eine Arbeitsfläche, unterbrochen von Spülbecken, Gasherd und verschiedenen Einlassungen für den Müll und den Biomüll. Das ganze ist ebenso aus Beton gefertigt, wie die Wand dahinter, so dass alles wie aus einem Guss wirkt.
Unterbaut ist das Ganze mit Schränken, einem Herd und der Spülmaschine. Die Fronten sind aus dunklem Wenge. Aus der Betonwand heraus modelliert wurden Regale und sogar Wandhaken, sowie Halterungen für Stahlstangen, an denen Töpfe und Pfannen hängen. Alles Geschirr, die Geschirrtücher, das Besteck, die Espressomaschine sind in den Anmutungen weiß, dunkelbraun oder stahlfarben gehalten. In einer guten Entfernung von der Arbeitsplattensituation steht ein großer Tisch mit einer 10cm dicken, weiß lackierten Tischplatte und 12 1958er Champagne-Sessel von Erwin und Estelle Laverne, die die Gäste zum Verweilen einladen und sie von einer der ganz großen Unerfreulichkeiten unserer Zeit, das Essen im Stehen einzunehmen, unterbinden.
Auf dem Tisch steht eine weiße Schale mit weißen Äpfeln. Woher die auch immer sind, aber sie sind da.
Im unteren Bereich befindet sich ebenso eine Gästetoilette, die man nutzen kann, wenn einem das Erklimmen der Wendeltreppe zu beschwerlich erscheint. Manch feuchtfröhlicher Anlass verstärkt dieses Gefühl ja durchaus. Doch wollen wir uns mit derlei Müßiggang nicht länger aufhalten und die besagte Treppe erklimmen.
Im oberen Bereich sind die Privatgemächer und zwei Gästezimmer, sowie ein Bad. Hier wurden ganzflächig hellgraue, beige und braune Hochflorteppiche verlegt, für die es, abgestellt in einer eigenes dafür erbauten Kammer, ein Reinigungsgerät gibt. Man will seinen Fuß ja in wohlbehaltenem Flausch betten. Am Ende der Wendeltreppe befindet sich ein von Grundfläche nierenförmiger Raum, von dem aus die verschiedenen Räume mittels Schiebetüren zu betreten sind.
Die Decke ist komplett verglast und sorgt für Helligkeit durch Tageslichteinfall. Im Schlafzimmer, ebenso mit beigen Hochflorteppich versehen, findet man in der Mitte einen etwa 30cm hohen und 200x200cm ebenso langen wie breiten Podest mit einer Matratzenauflage. Weißes Bettzeug und braune Lamahaardecken sorgen für die Kuschelatmo. Auf der Kopfseite des Bettes schwingt sich ein acyrlgläserner Schwanenhals ins Geschehen hinein. Darauf befindet sich ein weißer iPod der ersten Generation, sowie ein Braun T3 Pocket Radio, denen Musik und die neuesten Nachrichten entnommen werden können.
Darüber hinaus kann zum fern sehen die rundgehalten Fensteröffnung benutzt werden. An beiden Bettseiten befinden sich Regaleinlässe zum Ablegen von Büchern und was man so im Bett noch braucht. TV-Geräte oder sonstigen Schnickschnack sucht man vergeblich.
Auch im Bad findet sich eine komplett verglaste Wandseite. Davor befindet sich die Badewanne die dreiseitig aus Beton gefertigt und deren hintere Wand gleichzeitig ein Teil der verglasten Wandseite ist. So wird ein einzigartiges Badegefühl erzeugt. Man wähnt sich im Schwebezustand. Zwei Säulen aus Keramik halten zwei Waschbecken sowie Wasserhähne und Spiegel. Ein säulenförmiger, sich um seine Achse 360° drehbarer Badezimmerschrank rundet das Bild ab, des ansonsten minimalistische gehaltenen Raumes ab.
Fünf von Fünf
Der nunmehr fünfte und letzte Wohntraum-Artikel ist nun doch eher aus meiner eigenen Phantsie entsprungen. Die Ideen entstammen in der Vielzahl verschiedener Häuser von Oscar Niemeyer, dessen Werk ich sehr verehre. Zwischendurch habe ich oft überlegt: was würde Oscar jetzt machen und würde er das gutheißen? Womöglich würde er das. Sein ausgeprägtes Faible für den Werkstoff Beton hat mich inspiriert und nicht einmal ein zwangsgesteuerter Gedanke hier unbedingt das Wort Beton (Beton Beton Beton :) so oft wie möglich zu nennen. Nach den Wohnträumen Bauernhof, Baumhaus, Hausboot und Wohnmobil, war der Traum in einem solchen Haus nun dran und eventuell konnten sich unsere Leser ein wenig mit mir in diese architektonischen Gespinste hinfühlen. Es wäre mir eine großer Freude.
(Foto Gorges Du Verdon von s@b13 / flickr.com)






KOMMENTARE
DATUM 13.07.2010 - 15:58 Uhr
NAME André
was für ein wunderschönes haus das ist. auch ich mag diesen unaufdringlichen, aber eleganten zauber von beton. gerade jetzt im sommer wirkt er kühlend. ich find allerdings, dass jede schöne betonwand, mit einer pflanzenwand von patrick blanc aufgelockert werden könnte. http://kurz.es/1b386b
weil ich nicht wußte, welche holzart wenge ist, nun weiß ich\'s, allerdings wird diese sorte leider als gefährdet eingestuft. ein wenig erinnert niemeyers haus von 1953 ein wenig an das domizil in tom fords a single man.
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